Lebensbejahende Malereivon Tom Jørgensen, Redakteur "Kunstavisen" Annette Falk Lund lässt sich vom Gestrüpp eines fantasievollen Universums inspirieren. Ihre Motive wecken Anklang in uns, auch wenn wir nicht unmittelbar mit einer handfesten Deutung kommen können. Zu allererst und hauptsächlich sehen wir das Märchen. Alle Erzählungen über Liebe, magische Beschwörungen, böse Stiefmütter, ein mörderischer Onkel, edle Ritter, Drachen und verzauberte Spiegel. Alle die uralten Geschichten, welche von H.C. Andersen, den Gebrüdern Grimm und vielen Anderen niedergeschrieben wurden. Erzählungen, die selbst in unserem hochtechnologischen Zeitalter immer noch in unseren Erinnerungen wohnen. Geschichten, die in unseren Träumen wach werden oder sich bemerkbar machen, wenn unser Bewusstsein eine Pause hat und für einen Augenblick die Fantasiewelt der Kindheit leuchtend lebendig vor uns erscheint. Aus dieser Perspektive heraus ist die Betrachtung der Bilder von Annette Falk Lund ein befreiendes Erlebnis. Das Bewusstsein kann abgeschalten werden und darf auf Entdeckungsreise gehen. Es trifft auf ein Gewimmel von Personen, Farben und Formen, die zu einer sprudelnden und wuchernden Erzählung verschmelzen. Nach diesem instinktiven Genuss wird unser Bewusstsein wieder aktiv und versucht aus dem Chaos eine zusammenhängende Geschichte zu formen. Jenes Irritationsmoment, wenn wir einsehen, daß solch eine eindeutige Interpretation nicht gegeben werden kann, wird jedoch fast augenblicklich bei der Betrachtung der Bilder von einer kindlichen Freude aus dem Weg geräumt und wir müssen erkennen, dass wir von einem tiefen Verständnis unsererseits sprechen können. Ein Verständnis, welches primitiv und aus einer Zeit stammt, noch bevor wir der Sprache mächtig waren, die These bestätigt, dass Kunst ursprünglich magisch und beschwörend ist. Mit anderen Worten hat Annette Falk Lunds Kunst dieselben Wurzeln, deren sich die deutschen Expressionisten, Surrealisten und später Cobrakünstler bedienten: Kinderzeichnungen, Träume und magische Objekte aus den damals bezeichneten primitiven Kulturen. Es sind jedoch nicht die stark maskulinen Ergüsse von Asger Jorn oder den Surrealisten, die Falk Lund beeinflussen. Eher sind Gemeinsamkeiten bei Künstlern wie Marc Chagall, Gabriele Münter oder dem jungen figurativen Kandinsky zu finden. Künstler, die auf eine mehr weiche, poetische und träumerische Weise Werke schufen, die nicht nur durch Märchen und der romanischen Kirchenkunst sondern auch durch ganz private Verhältnisse tief inspiriert sind. Annette Falk Lunds Arbeitsmethode verrät eine ganze Menge von ihrem Zugang zur Kunst. Ausgangspunkt kann sein, mit ganz bestimmten Farben wie z.B. mit rot, gelb und grün arbeiten zu wollen, oder das Bedürfnis sich ganz bestimmten Motiven aus dem unmittelbaren Alltag oder der Tiefe der Erinnerung zuzuwenden. Am Anfang taucht ziemlich schnell eine Grundkomposition von zwei oder drei Hauptfiguren auf, mit der dann weitergearbeitet wird. Die völlig spontanen Impulse und das eingefleischte Wissen über Komposition und Farbenlehre, welche die Künstlerin bis zur Bewusstlosigkeit beherrscht, werden miteinander verbunden. Die schwerste Übung ist, die in der Spontaneität liegende Leichtigkeit mit der Forderung nach kompositioneller Klarheit zu kombinieren. Oft muss sie viele Male übermalen, bevor sich das Resultat richtig anfühlt. Um den sinnlichen und schöpferischen Zugang zur Malerei zu unterstreichen, bedient sich Annette Falk Lund häufig einer groben Leinwand, die der Komposition einen rustiken und stofflichen Ausdruck verleiht. Wenn das Ziel erreicht ist, haben wir auf der anderen Seite als Betrachter auch die Möglichkeit, in besonders lebensbejahende Erzählungen zu versinken, die voll von subtilem Humor und brodelndem Appetit auf Leben sind. |
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